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Märkische Allgemeine (27.06.2006)

Die wirkliche Prüfung kommt erst noch Abschlusspräsentation in der Reithalle A

Von Constanze Clemetz

Textausschnitt: Sie haben es geschafft. Die 13 jungen Frauen, die sich nach knapp zwei Stunden beklatschen lassen, sind Tänzerinnen. Mit Brief und Siegel verlassen sie die staatlich anerkannte Ergänzungsschule für Bühnentanz „Tanzakademie balance 1“. In Berlin Tempelhof. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Gut 300 Euro monatlich müssen die die Schüler ab 16 aufbringen, wenn sie erst einen Studienplatz ergattert haben. Stolz steht den Absolventinnen nach der Präsentation von sechs Choreographien ihrer Lehrer ins Gesicht geschrieben. Die Choreographien des Abends dienen in ihrer Bandbreite dazu, unterschiedliche Begabungen sichtbar werden zu lassen. Der knackige Hip-Hop von Katja Pritzel-Hentley auf „Black Sweat“ von Prince verlangt Kondition auf der Kurzstrecke. Den sexy showtanz beherrschen alle. Auch „in between“ von der Brasilianerin Ana Mondini ist eine leichte Übung.
Am ehesten geeignet, den Schülerinnen gleichzeitig Sicherheit und Freiraum zu vermitteln, auf das sie sich trotz ihrer Unerfahrenheit schon zu unverwechselbaren Interpretinnen mausern, sind die Arbeiten von Lydia Klement und Garnet Hennig.
„Einblicke“ erweist sich als viel feiner gestaltet, als seine Beiläufigkeit auf den ersten Blick erahnen lässt. Und Hennigs jazzige Jamsession „Flat 5 tanzt“ lässt erkennen, dass hier doch einige Tänzerinnen schon mit einer wachen physischen Intelligenz ihre körperlichen Möglichkeiten verwalten: wie Simone Grindel mit ihrer klaren geraden Linie, wie die athletische Janine Joyner, die markante Andrea Hilbert oder die geschmeidige Jessy Wenzel.
Einfach wird es nicht werden für die Protagonistinnen in der Reithalle A, auch wenn man ihnen von Herzen das Beste wünscht. Trotzdem: Auf anrührende Weise strahlen sie an diesem Abend alle, haben sie doch ihrem Traumberuf mit viel Arbeit zumindest vorerst ein Stück Realität abgetrotzt.